FIDUCIE UND FAMILIE: EINIGE BEISPIELE

Wer kann eine fiducie familiale (französische Treuhand im Familienbereich) errichten ?
Der Gesetzgeber hat die fiducie zwar Personen unter tutelle (Schutzmaßnahme mit Vertretung) verschlossen (C. civ. art. 509, 5°) und ihre Nutzung für Personen unter curatelle (Schutzmaßnahme mit Beistand) ohne gerichtliche Kontrolle zugelassen (C. civ. art. 468, al. 2); zugleich hat er die unentgeltliche fiducie (fiducie-libéralité) strikt untersagt (C. civ. art. 2013), ohne sie zu definieren, und dieses Verbot sowohl zivilrechtlich – mit der absoluten Nichtigkeit – als auch steuerlich sanktioniert, mit einem prohibitiven Besteuerungsregime für den Fall, dass in der fiducie eine Freigebigkeitsabsicht festgestellt wird (CGI art. 792 bis et 1729). Gleichwohl entwickelt sich die Praxis weiter – getragen von Mandanten, die nachdrücklich Lösungen für vermögensrechtliche Fragen im Zusammenhang mit Schutzbedürftigkeit, Minderjährigkeit oder ungeteilter Gemeinschaft (indivision), aber auch mit Familienkonflikten, Scheidungen, geografischer Entfernung oder fehlender Sachkunde suchen – und lässt den Einsatz der fiducie zugunsten der Familien und ihres Vermögens voranschreiten.
Um mit den Besonderheiten der fiducie vertraut zu werden, finden Sie nachstehend einige Fälle, in denen eine fiducie errichtet werden konnte, sowie die Lehren, die wir daraus für die einzuhaltenden Praxisregeln gezogen haben.
Fünf konkrete Beispiele einer fiducie (französische Treuhand) im Familienkreis
Fall Nr. 1 : die fiducie als Rentenlösung
Herr und Frau DUPOND sorgen sich um den Tag, an dem sie nach ihrem Tod ihrer Tochter Sandrine und ihrem Sohn Paul keine monatliche Rente mehr zahlen können: Beide leiden an einer schweren Erkrankung, gehen keiner Erwerbstätigkeit nach und sind nicht in der Lage, ein Finanzvermögen allein zu verwalten. Zugleich möchten sie vermeiden, dass die übrigen Geschwister, die durchaus ein gutes Verhältnis zu ihnen haben, in Geldangelegenheiten mit ihnen verwickelt werden.
Heute steht Paul unter curatelle (französische Betreuungsmaßnahme), während Sandrine in einigen Jahren in dieselbe Lage geraten könnte. Um die Rentenzahlung über ihren Tod oder ihre Geschäftsunfähigkeit hinaus fortzuführen, haben Herr und Frau DUPOND eine Schenkung unter der aufschiebenden Bedingung ihrer Geschäftsunfähigkeit oder ihres Todes vorgenommen und eine fiducie errichtet. Diese soll die für die Durchführung der Schenkung bestimmten Mittel unantastbar machen und die Zahlung der Rente durch den anwaltlichen Treuhänder ermöglichen.
In manchen Fällen soll die Todesfallleistung einer Lebensversicherung in Form einer Rente an das schutzbedürftige Kind unter den Geschwistern ausgezahlt werden. Eine vermögensrechtliche Gestaltung, die auf einer besonderen Fassung der Begünstigtenklausel und auf einem vorformulierten, dieser Klausel beigefügten fiducie-Vertrag beruht, bewirkt, dass die Todesfallleistung ausschließlich vom Treuhänder verwaltet wird: Er legt die Mittel an, zahlt die Rente aus und/oder verwendet die erhaltenen Beträge für Ausgaben des schutzbedürftigen Erwachsenen. Das Risiko, dass die Verpflichtung zur Übertragung der Todesfallleistung in die fiducie nicht erfüllt wird, wird dadurch ausgeschlossen, dass die Versicherungsgesellschaft angewiesen wird, die Leistung an den mit der Nachlassabwicklung des versicherungsnehmenden Elternteils betrauten Notar auszuzahlen.
Da die Aufgabe des Treuhänders frei beschrieben werden kann, soweit das Verbot der fiducie libéralité (Treuhand zu Schenkungszwecken) beachtet wird, lassen sich die unterschiedlichsten Fälle vorsehen, in denen der Treuhänder Mittel für bestimmte Ausgaben des schutzbedürftigen Erwachsenen freigeben darf.
Fall Nr. 2 : die fiducie als Bündelungsinstrument
Frau DURAND möchte ihr Kapital auf ihre beiden Enkelkinder übertragen, von denen eines minderjährig und das andere gerade volljährig geworden ist. Ihr Bankberater hat ihr erläutert, dass die Anlagen weniger einbringen, wenn die Beträge getrennt in zwei verschiedenen Kapitalisierungsverträgen angelegt werden. Im Interesse der Beschenkten wird daher jede Schenkung mit der Auflage verbunden, die zugewendeten Beträge in ein einziges Treuhandvermögen zu übertragen, dessen Treugeber beide Beschenkte sind, damit die bestmögliche Anlage gewählt werden kann.
Bei einer Schenkung an ein minderjähriges Enkelkind ist dann ein Drittverwalter für die zugewendeten Beträge zu bestimmen (C. civ. art. 384), um das Verbot zu umgehen, wonach der gesetzliche Vermögensverwalter das Vermögen des Minderjährigen nicht in eine fiducie übertragen darf (C. civ. art. 387-2, 4°).
Fall Nr. 3 : die fiducie als Teilhabeinstrument
Im Rahmen einer donation-partage (vorweggenommene Erbteilung durch Schenkung) von Anteilen an einer Familiengesellschaft haben Herr und Frau PICHEGRU Bedenken, ihrer Tochter Julie Anteile zuzuteilen: Sie leidet an psychischen Beeinträchtigungen, die ihre Teilnahme an Gesellschafterversammlungen und an etwaigen Anteilsveräußerungen erschweren. Um Julie nicht dadurch zu benachteiligen, dass man ihr lediglich eine Ausgleichszahlung zuweist und sie um den erwarteten Wertzuwachs der geschenkten Anteile bringt, erhält sie ebenfalls Anteile, jedoch verbunden mit der Verpflichtung, diese in ein Treuhandvermögen zu übertragen, dessen Treugeberin Julie ist.
Dank dieser Gestaltung steht die mit den geschenkten Anteilen verbundene Gesellschafterstellung dem Treuhänder zu: Er wird zu den Gesellschafterversammlungen geladen und ist befugt, an allen etwaigen Veräußerungsvorgängen betreffend die Anteile mitzuwirken. Die mit den geschenkten Anteilen verbundenen Dividenden fließen ausschließlich dem Treuhandvermögen zu. Der fiducie-Vertrag legt fest, in welchem Rhythmus und auf welche Weise der Treuhänder die Dividenden an Julie weiterzuleiten oder unmittelbar für bestimmte, von ihr zu tragende Ausgaben (Wohnen, Gesundheit usw.) zu verwenden hat.
Fall Nr. 4 : die fiducie als Vorsorgeinstrument
Herr und Frau JARDIN befürchten, dass ihre Kinder wenig Einfühlungsvermögen zeigen könnten, sollten sie selbst einmal schutzbedürftig werden. Sie beschließen daher, die Mittel abzusichern, die sie für die mögliche Finanzierung ihrer Pflegebedürftigkeit vorgesehen haben (insbesondere für die Beschäftigung von Haushaltshilfen und für den altersgerechten Umbau des Hauses). Sie schließen deshalb einen aufschiebend bedingten fiducie-Vertrag mit späterer Wirkung, der die Übertragung des Kapitalisierungsvertrags vorsieht, auf dem diese Mittel angelegt sind. Aufschiebende Bedingung ist der Eintritt des zeitlich nächsten der folgenden Ereignisse: die Aktivierung des mandat de protection future (französische Vorsorgevollmacht) desjenigen Ehegatten, der überlebt oder seine geistigen Fähigkeiten am längsten behalten hat, oder schlicht eine Bescheinigung über den Verlust seiner geistigen Fähigkeiten, die vom Hausarzt und von ihrer Nichte Nathalie, die Ärztin ist und der sie uneingeschränkt vertrauen, gemeinsam unterzeichnet wird.
Denn das Ereignis, das in einer fiducie zu Vorsorgezwecken zur aufschiebenden Bedingung erhoben wird, kann frei umschrieben werden, anders als die gesetzlich festgelegten Voraussetzungen für die Aktivierung des mandat de protection future. Aufgabe des Treuhänders ist es, den Eheleuten, die ihre geistigen Fähigkeiten verloren haben, so lange wie möglich den Verbleib in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen, indem er die dafür erforderlichen Ausgaben begleicht (Einstellung von Personal, Umbaumaßnahmen in der Wohnung), und anschließend, im Falle einer Aufnahme in eine Pflegeeinrichtung, die Unterbringungsrechnungen zu begleichen und dabei die Wahrung der Würde des Begünstigten sicherzustellen.
Die fiducie zu Vorsorgezwecken ist somit ein Sicherheitsnetz, das im Voraus geknüpft wird und erst an dem Tag greift, an dem sich das abzusichernde Risiko verwirklicht. Die Aufgabe des Treuhänders beginnt in vollem Umfang erst mit dem Eintritt des zur aufschiebenden Bedingung erhobenen Ereignisses. Bis dahin hält er sich bereit.
Für jede Lebenslage die passende fiducie (französische Treuhand)
Die fiducie ist keine Alternative zu den Instrumenten, die Fachleute des Familien- und Vermögensrechts üblicherweise einsetzen. Sie steht für sich, ist einzigartig und hat ihre eigenen Besonderheiten.
Die Notwendigkeit eines vollständigen “Vorsorgepakets”
Bei der Vorsorge, also bei der Einrichtung einer Vermögensordnung unter der aufschiebenden Bedingung des Eintritts eines bestimmten Ereignisses, hat der Abschluss einer fiducie den Vorteil, dass der Wille der Beteiligten weit verlässlicher gewahrt bleibt als bei einem mandat de protection future (französische Vorsorgevollmacht). Dieses kann der Betreuungsrichter jederzeit aufheben und durch eine tutelle oder eine curatelle ersetzen, in deren Rahmen die in der Vorsorgevollmacht niedergelegten Wünsche grundsätzlich unberücksichtigt bleiben.
Denn der Treuhandvertrag besteht fort, wenn während der Ausführung des Treuhandauftrags eine tutelle oder eine curatelle angeordnet wird (C. civ. art 2022). Ist eine solche Schutzmaßnahme einmal angeordnet, bleibt das treuhänderisch gehaltene Vermögen daher außerhalb der Verwaltungsregeln, die für die von der tutelle oder der curatelle erfassten Güter gelten.
Gleichwohl deckt der Abschluss einer fiducie prévoyance nicht das gesamte Schutzbedürfnis ab: Ein mandat de protection future bleibt unerlässlich, um einer Vertrauensperson die persönlichen Entscheidungen und die Verwaltung der nicht in die fiducie übertragenen Vermögenswerte anzuvertrauen.
Fall Nr. 5 : die philanthropische fiducie (französische Treuhand)
Der letzte hochinteressante Fall, den wir behandeln müssen, ist der von Frau DUBOIS, einer ehemaligen Ärztin, inzwischen im Ruhestand, kinderlos, mit einem sehr komfortablen Vermögen, das sie bei ihrem Tod nicht an den Staat fallen lassen möchte, sondern, im Gegenteil, einem edlen Zweck zugunsten verschiedener Anliegen und Vereine zuführen will.
Sie gibt uns drei Ziele vor: den Schutz ihres Vermögens sicherzustellen, damit es ihr zu Lebzeiten an nichts fehlt und sie frei darüber verfügen kann (i), es zugleich sorgfältig und umsichtig zu verwalten, damit es weiter wächst (ii), und bei ihrem Tod die Übertragung sowie die regelmäßige Auszahlung der Dividenden und/oder des Kapitals an Zwecke zu gewährleisten, die sie selbst bestimmt hat (iii).
Ihr liegt zudem daran, sicherzustellen, dass ihr Geld auch nach ihrem Tod im Sinne ihres letzten Willens verwendet wird und dass eine regelmäßige Kontrolle stattfindet, um die Mittel anderen Zwecken zuzuleiten, falls einer der Begünstigten dieser Zuwendungen und/oder Vermächtnisse seine Ziele nicht erfüllt. Konkret möchte Frau DUBOIS, die frühere Ärztin, dass ihre fiducie die Krebsforschung fördert und die Ausbildung begabter Kinder aus benachteiligten Verhältnissen finanzieren kann.
Wir errichten daher eine philanthropische fiducie, in der Frau DUBOIS als Stifterin gewürdigt wird und ihr Name durchgängig auf allen Bauwerken und/oder Veranstaltungen erscheint, und wir achten darauf, dass sämtliche geleisteten Zahlungen und/oder Investitionen genau den verfolgten Zwecken zugeordnet werden. Wir begleiten die Investitionen und prüfen die Ergebnisse so, wie Frau DUBOIS es zu Lebzeiten selbst getan hätte.
Frau DUBOIS tut auch über ihr Leben hinaus Gutes und macht einen sinnstiftenden Gebrauch von dem Vermögen, das sie sich in einem langen Arbeitsleben erworben hat – und bleibt dank der fiducie der Nachwelt in Erinnerung.
Selbstverständlich gibt es Dutzende weiterer Gestaltungen und Strukturierungen, die je nach individueller Lage sämtliche Anliegen unserer Mandanten abdecken. Sprechen Sie uns an: Wir prüfen Ihre Situation im Einzelnen und entwickeln eine maßgeschneiderte Lösung für Ihre Bedürfnisse.
Häufige Fragen zur fiducie familiale (französische Treuhand im Familienbereich)
Was ist eine fiducie familiale?
Die fiducie familiale ist ein Vertrag, durch den eine Person (der Treugeber) Vermögenswerte auf einen Treuhänder überträgt, der sie zu einem festgelegten Zweck zugunsten von Begünstigten verwaltet. Sie dient dazu, einen schutzbedürftigen Angehörigen abzusichern, eine Vermögensübertragung zu gestalten oder ein Familienvermögen zu sichern.
Wer kann eine fiducie familiale errichten?
Jede volljährige und geschäftsfähige Person kann eine fiducie errichten, auch wer unter curatelle steht (französische Schutzmaßnahme mit bloßer Beistandsleistung), sofern der Kurator mitwirkt. Personen unter tutelle (Schutzmaßnahme mit Vertretung) bleibt sie dagegen verschlossen; zudem verbietet Artikel 2013 des Code civil die fiducie-libéralité, die ausschließlich unentgeltlichen Zwecken dient.
Wozu dient eine fiducie beim Schutz eines schutzbedürftigen Kindes?
Die fiducie sichert ein Kapital dauerhaft ab und überträgt dessen Verwaltung einem professionellen Treuhänder, der eine Rente auszahlt oder die Ausgaben des schutzbedürftigen Kindes begleicht. Dieses muss die Mittel damit weder selbst verwalten noch von seinen Geschwistern abhängig sein.
Bleibt die fiducie bei Anordnung einer tutelle bestehen?
Ja. Nach Artikel 2022 des Code civil läuft der Treuhandvertrag trotz der Anordnung einer tutelle oder einer curatelle weiter: Das treuhänderisch gehaltene Vermögen wird weiterhin nach dem Willen des Treugebers verwaltet, außerhalb der Regeln der Schutzmaßnahme.
Wie wird eine fiducie familiale eingerichtet?
Die Einrichtung erfordert die Begleitung durch einen als Treuhänder tätigen Rechtsanwalt, der den Vertrag maßgeschneidert abfasst, den Auftrag des Treuhänders festlegt und die Übertragung der Vermögenswerte rechtssicher gestaltet. Jede fiducie wird auf die familiäre und vermögensrechtliche Lage des Treugebers zugeschnitten.
Das Haus Harlington seit
2006